Dorothy Height
Die Frau, die den March on Washington mitorganisierte und nicht reden durfte
* 24. März 1912 Richmond, Virginia, USA
† 20. April 2010 Washington, D.C., USA

Wer war Dorothy Height?
Am 28. August 1963 saß Dorothy Irene Height auf dem Podium vor dem Lincoln Memorial, wenige Schritte vom Rednerpult entfernt. Sie hatte den March on Washington monatelang mit organisiert. Ans Mikrofon kam sie nicht. Barack Obama nannte sie später die „Godmother der Bürgerrechtsbewegung“.¹
Vier Jahrzehnte führte Height den National Council of Negro Women. Trotzdem blieb ihr Name lange im Schatten der Männer, neben denen sie arbeitete. Dieser Beitrag erzählt, wer sie war und was sie erreichte.
Kindheit in einer Stahlstadt
Dorothy Irene Height kam am 24. März 1912 in Richmond, Virginia, zur Welt. Als sie fünf war, zog die Familie nach Rankin, eine Stahlstadt nahe Pittsburgh. Dort besuchte sie gemischte Schulen. Ihre Mutter engagierte sich in der Pennsylvania Federation of Colored Women’s Clubs und nahm Dorothy zu den Treffen mit. So lernte das Mädchen früh, was organisierte Frauen bewirken können.
Schon als Jugendliche schloss sich Height der Bewegung gegen Lynchmorde an.² Sie war eine begabte Rednerin. Bei einem landesweiten Redewettbewerb der Elks gewann sie den ersten Preis und ein Stipendium über 1.000 Dollar.³ 1929 machte sie ihren Abschluss an der Rankin High School.
Mit diesem Stipendium bewarb sie sich in New York. Das Barnard College nahm sie an und verweigerte ihr dann den Studienplatz.⁴ Inoffiziell ließ das College pro Jahrgang nur zwei Schwarze zu. Height ließ sich nicht aufhalten. Sie schrieb sich an der New York University ein, machte dort 1932 ihren Bachelor und ein Jahr später den Master in Pädagogischer Psychologie. Anschließend forschte sie weiter an der Columbia University.
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Mary McLeod Bethune und der Weg zur Bewegung
Von 1934 bis 1937 arbeitete Height im New Yorker Wohlfahrtsamt. Dann wechselte sie als Beraterin zur YWCA in Harlem. Dort veränderte eine Begegnung ihr Leben. Bei einem Treffen des National Council of Negro Women lernte sie die Gründerin Mary McLeod Bethune und First Lady Eleanor Roosevelt kennen.
Bethune zog die junge Frau sofort in ihren Kreis. „Die Freiheitstore stehen halb offen“, sagte sie. „Wir müssen sie ganz aufstoßen.“⁵ Diesem Auftrag blieb Height ihr Leben lang treu. Den Satz machte sie Jahrzehnte später zum Titel ihrer Memoiren: Open Wide the Freedom Gates.
Der YWCA blieb sie 40 Jahre verbunden. Als Kind hatte sie nicht im Becken der Pittsburgher YWCA schwimmen dürfen, weil sie schwarz war. Als Erwachsene trieb sie genau dort die Integration voran. 1965 übernahm sie ein landesweites Programm zur Desegregation der Ortsverbände. Später gründete und leitete sie das Center for Racial Justice der Organisation.
Parallel engagierte sich Height in der Schwesternschaft Delta Sigma Theta, die sie von 1947 bis 1956 als nationale Präsidentin führte. 1952 lehrte sie als Gastprofessorin an der Delhi School of Social Work in Indien.
Vier Jahrzehnte an der Spitze des National Council of Negro Women
1957 wurde Height die vierte Präsidentin des National Council of Negro Women.⁶ Das Amt hielt sie vier Jahrzehnte. Unter ihrer Leitung wurde der Dachverband zu einer hörbaren Stimme für Schwarze Frauen.
Was tat Dorothy Height konkret? Sie organisierte Wählerregistrierung im Süden und Wählerbildung im Norden. Sie richtete Stipendien für junge Bürgerrechtsaktivistinnen und -aktivisten ein. Zudem sagte sie regelmäßig vor dem Kongress aus.
So verband Height zwei Kämpfe, die bis dahin getrennt verliefen: den für die Rechte Schwarzer Menschen und den für die Rechte von Frauen. Genau das gilt als ihre wichtigste Leistung.² Sie war die erste Person der Bewegung, die beide Anliegen als eine gemeinsame Aufgabe begriff.
Der March on Washington 1963
Der March on Washington for Jobs and Freedom am 28. August 1963 war die größte Demonstration, die Washington bis dahin gesehen hatte. Mehr als 250.000 Menschen versammelten sich am Lincoln Memorial. Dort hielt Martin Luther King seine Rede „I Have a Dream“. Der Marsch forderte Arbeitsplätze, Bürgerrechte und das Ende der Rassentrennung.
Height gehörte zum engsten Planungskreis. Als einzige Frau saß sie im Council of the United Civil Rights Leadership, der Runde der „Big Six“. Sie organisierte Transport und Logistik und mobilisierte Teilnehmende. Der von ihr geführte National Council of Negro Women war die einzige Frauenorganisation, die im Programm überhaupt anerkannt wurde.
Trotzdem stand keine einzige Frau auf der Rednerliste. Height und Anna Arnold Hedgeman, die einzige Frau im Organisationskomitee, forderten das immer wieder. Bayard Rustin wiegelte ab. Frauen seien in allen teilnehmenden Gruppen vertreten, ein eigener Beitrag erübrige sich. Am Ende durfte Daisy Bates nur ein kurzes Versprechen verlesen. Ans Rednerpult kam Height nie.
Später schrieb sie über diese Wochen: „Nichts, was Frauen sagten oder taten, durchbrach die Blockade. Ich habe nie eine unbeweglichere Front erlebt. Wir konnten nicht erreichen, dass die Beteiligung von Frauen ernst genommen wurde.“⁴
Wenige Tage nach dem Marsch lud der NCNW zu einer Sitzung mit dem Titel „After the March, What?“. Height nannte sie einen Wendepunkt. „Die Frauen wurden sich des Sexismus in unserem Umgang mit der männlichen Führung viel bewusster und gingen ihn offensiver an“, erinnerte sie sich.⁴ Aus dieser Empörung wuchs eine Bewegung. Die Treffen legten mit den Grund für die Gründung der National Organization for Women 1966.
Wednesdays in Mississippi
Im Sommer 1964 brachte der Freedom Summer weiße Studierende aus dem Norden nach Mississippi, um Schwarze Wähler zu registrieren. Drei Bürgerrechtler wurden ermordet, viele weitere bedroht und verprügelt. In diesem Klima startete Height mit der Aktivistin Polly Cowan ein eigenes Programm: Wednesdays in Mississippi.
Jede Woche flogen Teams nördlicher Frauen nach Jackson. Die Gruppen waren bewusst gemischt: schwarz und weiß, verschiedene Religionen, sichtbar bürgerlich. Sie trafen Frauen vor Ort und kehrten donnerstags zurück. Sie trugen weiße Handschuhe und gingen sonntags in die Kirche. Height wusste, dass ein bürgerliches Auftreten in Mississippi echten Schutz bot.
Über zwei Sommer sprachen die Teams mit rund 300 Frauen. Es war das einzige Bürgerrechtsprogramm jener Jahre, das von Frauen für Frauen organisiert wurde, getragen von einer nationalen Frauenorganisation. „Keine von uns, die in jenem Sommer dabei war, kehrte unverändert nach Hause zurück“, schrieb Height.⁵
Der Belmont-Report und das Denkmal für Bethune
Heights Wirken reichte über die Bürgerrechtsbewegung hinaus. 1974 berief man sie in die nationale Kommission zum Schutz menschlicher Versuchspersonen in der Forschung. Deren Belmont-Report wurde zur Antwort auf die berüchtigte Tuskegee-Syphilis-Studie und gilt bis heute als ethischer Maßstab.²
Im selben Jahr setzte Height ein Denkmal durch, das sie lange verfolgt hatte. Im Lincoln Park in Washington steht seit 1974 eine Statue von Mary McLeod Bethune. Es war das erste Standbild einer Frau und eines Schwarzen Menschen auf bundeseigenem Boden. Zur Enthüllung kamen über 18.000 Menschen.
Hatte Dorothy Height einen Ehemann?
Dorothy Height heiratete nie und hatte keine Kinder.⁷ Sie widmete ihr ganzes Leben der Arbeit für Gerechtigkeit. Lange wohnte sie in einer Wohnung in Harlem. Bekannt war sie auch für ihre Hüte. Viele stammten von der Schwarzen Washingtoner Hutmacherin Vanilla Beane. Einer dieser Hüte zierte später ihre US-Briefmarke.
Auszeichnungen, später Ruhm und Tod
Späte Anerkennung kam reichlich. 1993 erhielt Height die Spingarn-Medaille der NAACP. 1994 verlieh ihr Präsident Bill Clinton die Presidential Medal of Freedom. 2004 überreichte ihr Präsident George W. Bush die Congressional Gold Medal, die höchste zivile Auszeichnung des Kongresses.
Bush brachte ihren Einfluss auf den Punkt. „Sie hat jedem Präsidenten seit Dwight David Eisenhower gesagt, was sie denkt“, sagte er.⁸ Tatsächlich beriet Height First Lady Eleanor Roosevelt und danach jeden Präsidenten von John F. Kennedy bis Barack Obama.
Dorothy Height starb am 20. April 2010 in Washington, im Alter von 98 Jahren.¹ Noch wenige Wochen zuvor hatte sie Auftritte zugesagt, gegen ärztlichen Rat. Bei der Trauerfeier in der Washington National Cathedral hielt Barack Obama die Grabrede.
Ein Satz von ihr fasst dieses Leben zusammen. „Ich möchte als jemand in Erinnerung bleiben, der sich selbst und alles, was sie anfassen konnte, für Gerechtigkeit und Freiheit eingesetzt hat. Als jemand, der es versucht hat.“³
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Bildquellen
- Beitragsbild (freigestellt): Schlesinger Library, RIAS, Harvard University, No restrictions, via Wikimedia Commons
Textquellen
- Fox, Margalit: „Dorothy Height, Largely Unsung Giant of the Civil Rights Era, Dies at 98“. The New York Times, 20. April 2010. The New York Times
- „Dorothy I. Height“. U.S. National Park Service
- Norwood, Arlisha: „Dorothy Height“. National Women’s History Museum
- Herndon, Meredith: „Excluded at the March on Washington, Dorothy Height Went on to Become the ‚Godmother of the Civil Rights Movement.'“. Smithsonian American Women’s History Museum
- Height, Dorothy: Open Wide the Freedom Gates: A Memoir. PublicAffairs, 2003.
- „Dorothy Height“. Encyclopædia Britannica
- „Height, Dorothy (1912—)“. Encyclopedia.com
- Bush, George W.: „Remarks on Presenting the Congressional Gold Medal to Dorothy I. Height“, 24. März 2004. The American Presidency Project












































