Berühmte Frauen im Mittelalter
Das Mittelalter umfasst grob die tausend Jahre zwischen 500 und 1500. Frauen im Mittelalter regierten Reiche, leiteten Klöster, schrieben Romane und führten Heere an. Trotzdem erzählt man die Epoche bis heute meist als Geschichte von Königen, Rittern und Päpsten. Diese Seite stellt die Frauen dieser Zeit vor, von der Äbtissin am Rhein bis zur Kaiserin in China.
Die Rolle der Frau im Mittelalter
Wie eine Frau lebte, entschied vor allem ihr Stand. Eine Bäuerin arbeitete auf dem Feld, im Stall und im Haus. Eine Adlige verwaltete dagegen Güter, Vorräte und Personal, wenn ihr Mann im Krieg oder am Hof war. Rechtlich stand eine Frau meist unter der Munt, also der Vormundschaft ihres Vaters und später ihres Ehemanns. Ehen wurden in der Regel arrangiert, und Mädchen heirateten oft sehr jung.¹
Zugleich gab es Spielräume, die das Klischee vom „finsteren Mittelalter“ übersieht. Witwen führten häufig das Geschäft ihres Mannes weiter. In den Städten arbeiteten Frauen als Händlerinnen, Brauerinnen oder Handwerkerinnen. In Köln erhielten die Seidmacherinnen 1437 sogar eine eigene Zunftordnung. Erst ab dem 16. Jahrhundert drängten die Zünfte Frauen schrittweise hinaus.¹
Was durften Frauen im Mittelalter nicht?
Die Grenzen waren dennoch klar gezogen. Frauen durften weder Priesterinnen werden noch ein öffentliches Amt in der Stadt bekleiden.¹ Die neuen Universitäten nahmen ab etwa 1200 nur Männer auf. Damit blieb Frauen auch der Zugang zu Medizin und Recht verschlossen. Wie hart diese Grenze war, zeigt der Fall der Heilerin Jacoba Felicie. Ein Pariser Gericht verurteilte sie 1322, weil sie ohne Universitätsabschluss Kranke behandelt hatte. Die Struktur dahinter ist deutlich: Nicht fehlendes Können schloss Frauen aus, sondern Regeln, die Männer für Männer geschrieben hatten.
Kleidung, Mode und Frisuren der Frau im Mittelalter
Mittelalterliche Frauenkleidung bestand aus mehreren Schichten. Zuunterst lag ein Hemd aus Leinen. Darüber trugen Frauen ein langes Kleid, im Hochmittelalter meist die Cotte, und darüber oft einen ärmellosen Surcot. Stoff und Farbe verrieten den Stand. Leuchtendes Rot, Seide und Pelz konnten sich nur Wohlhabende leisten. Seit dem 13. Jahrhundert legten zudem viele Städte in Kleiderordnungen fest, wer welche Stoffe tragen durfte.
Im Spätmittelalter wurde die Mode figurbetonter. Schnürungen und Knöpfe formten die Silhouette, Schleppen wurden länger. An den Höfen Burgunds und Frankreichs trug man die Houppelande, ein weites Obergewand mit tiefen Falten. Die französische Mätresse Agnes Sorel galt um 1445 als Vorbild für gewagte Dekolletés.
Frisuren und Kopfbedeckungen im Mittelalter
Am Haar ließ sich der Familienstand ablesen. Unverheiratete Mädchen trugen ihr Haar offen oder geflochten, manchmal mit einem Blumenkranz. Verheiratete Frauen bedeckten es hingegen mit Schleier, Gebende oder Wimpel. Ab etwa 1430 kam der Hennin in Mode, eine spitze, oft meterhohe Haube mit Schleier. Die verbreitete Behauptung, mongolische Kriegerinnen hätten ihn inspiriert, lässt sich übrigens nicht belegen.²
Das Schönheitsideal im Mittelalter
Das Schönheitsideal verlangte helle Haut, schmale Lippen und eine hohe, gewölbte Stirn. Um sie zu erreichen, zupften sich Frauen den Haaransatz und die Augenbrauen aus. Blondes Haar galt in der höfischen Dichtung als besonders schön. Wie Frauen im Mittelalter wirklich aussahen, zeigen solche Ideale allerdings kaum. Sie beschreiben vor allem, was Dichter und Maler an Frauen sehen wollten.
Frauen im Mittelalter hinter Klostermauern
Für viele Frauen bot das Kloster den einzigen Weg zu Bildung und Selbstbestimmung. Dort lernten Nonnen Latein, kopierten Handschriften und verwalteten große Güter. Manche Äbtissinnen herrschten wie Fürstinnen. Das Stift Essen besaß etwa 3.000 Höfe, und seine Äbtissinnen saßen als Reichsfürstinnen im Reichstag.¹
Äbtissinnen und Gelehrte
Die bekannteste unter ihnen ist Hildegard von Bingen (1098–1179). Sie gründete das Kloster Rupertsberg, schrieb über Visionen, Heilpflanzen und Krankheiten und komponierte geistliche Musik. Zudem korrespondierte sie mit Päpsten und mit Kaiser Friedrich Barbarossa. Die Kirche sprach sie erst 2012 heilig.³
Schon zwei Jahrhunderte früher schrieb Roswitha von Gandersheim (um 935–nach 973) lateinische Dramen. Sie gilt als erste namentlich bekannte Dichterin Deutschlands.¹ Im Elsass legte die Äbtissin Herrad von Landsberg um 1180 mit dem Hortus deliciarum eine Bilder-Enzyklopädie für ihre Nonnen an. Héloïse wiederum wurde nach ihrer Liebe zu Peter Abaelard Äbtissin des Paraklet. Ihr Briefwechsel mit ihm zählt zu den bekanntesten Texten des 12. Jahrhunderts.
Auch das frühe Mittelalter kannte solche Frauen. Die angelsächsischen Nonnen Lioba und Walburga kamen im 8. Jahrhundert als Missionarinnen ins Frankenreich und leiteten dort Klöster. In England hatte bereits Hilda von Whitby 664 eine Synode in ihrem Kloster ausgerichtet. Und im 6. Jahrhundert floh die Königin Radegunde vor ihrer Ehe in ein selbst gegründetes Kloster in Poitiers.
Heilige, Mystikerinnen und Ordensgründerinnen
Klara von Assisi (1194–1253) gründete den Orden der Klarissen. Zwei Tage vor ihrem Tod bestätigte der Papst 1253 ihre Ordensregel, die sie selbst verfasst hatte.⁴ Elisabeth von Thüringen (1207–1231) wählte einen anderen Weg. Als verwitwete Landgräfin gab sie ihren Besitz auf und gründete in Marburg ein Hospital für Arme und Kranke. Sie starb mit nur 24 Jahren.⁵
Katharina von Siena (1347–1380) schrieb Briefe an Päpste und Fürsten. Ihr Drängen trug dazu bei, dass der Papst 1377 aus Avignon nach Rom zurückkehrte. Birgitta von Schweden gründete den Birgittenorden, Gertrud von Helfta verfasste mystische Schriften auf Latein. In England schrieb Julian of Norwich die ältesten erhaltenen englischsprachigen Texte einer Frau. Die Pilgerin Margery Kempe diktierte später die erste Autobiografie in englischer Sprache.
Die Beginen: fromm, aber frei
Ab dem späten 12. Jahrhundert entstand um Lüttich eine neue Lebensform. Beginen lebten fromm in Gemeinschaften, legten aber kein lebenslanges Gelübde ab. Sie verdienten ihr Geld mit Krankenpflege oder Textilarbeit und durften die Gemeinschaft verlassen und heiraten.⁶ Eine der bekanntesten Beginen war Mechthild von Magdeburg. Ihr Buch Das fließende Licht der Gottheit gehört zu den ersten großen mystischen Texten in deutscher Sprache.
Gerade diese Freiheit machte die Kirche misstrauisch. Die Begine Marguerite Porete wurde 1310 in Paris als Ketzerin verbrannt. Schon ein Jahr später ordnete das Konzil von Vienne die Auflösung der Beginenhöfe an.⁶ Frauen, die ohne Mann und ohne Orden leben wollten, galten offenbar als Gefahr.
Heilkunde, Hebammen und der Hexen-Mythos
Ein großer Teil der Krankenpflege lag in Frauenhand. Hebammen begleiteten Geburten, Kräuterfrauen kannten Heilpflanzen, Nonnen pflegten Kranke in Klosterspitälern. Hildegard von Bingen schrieb ihr Wissen in zwei Werken über Natur und Heilkunde nieder. In Süditalien lehrte im 12. Jahrhundert die Ärztin Trota von Salerno. Unter ihrem Namen kursierten über Jahrhunderte Schriften zur Frauenheilkunde, bekannt als Trotula.
Oft heißt es, man habe solche „weisen Frauen“ im Mittelalter massenhaft als Hexen verbrannt. Das stimmt so nicht. Die großen Hexenverfolgungen fanden zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert statt, also überwiegend in der frühen Neuzeit.⁷ Der berüchtigte Hexenhammer erschien erst 1486. Wie diese Verfolgung Frauen traf, schildert unser Text über die Frauen im 17. Jahrhundert.
Schreibende Frauen: Literatur, Gelehrsamkeit und Musik
Christine de Pizan (1364–um 1430) wurde mit etwa 25 Jahren Witwe. Um ihre Familie zu ernähren, begann sie zu schreiben, und zwar gegen Bezahlung. Damit gilt sie als erste Berufsschriftstellerin Europas. 1405 erschien ihr Buch von der Stadt der Frauen. Darin baut sie eine Stadt aus den Lebensgeschichten berühmter Frauen und widerlegt Satz für Satz die Frauenfeindlichkeit der Gelehrten. 1429 widmete sie Jeanne d’Arc ein Gedicht.⁸
Schon im 12. Jahrhundert schrieb Marie de France am englischen Hof ihre Versnovellen, die Lais. In Südfrankreich dichteten die Trobairitz, die weiblichen Troubadoure, über Liebe und Begehren. Im 9. Jahrhundert verfasste die fränkische Adlige Dhuoda ein Erziehungsbuch für ihren Sohn. Später übersetzte Elisabeth von Nassau-Saarbrücken französische Heldenepen und schuf damit frühe Prosaromane auf Deutsch.
In Byzanz komponierte die Nonne Kassia im 9. Jahrhundert Hymnen, die bis heute gesungen werden. Die Kaisertochter Anna Komnena schrieb im 12. Jahrhundert mit der Alexias die Geschichte ihres Vaters. Im muslimischen Córdoba führte die Dichterin Wallada bint al-Mustakfi einen literarischen Salon. Und im Irak des 8. Jahrhunderts verfasste die Sufi-Mystikerin Rabia al-Adawiyya Verse über die Liebe zu Gott.
Hofdamen in Japan und China
Um 1000 schrieben in Japan zwei Hofdamen Weltliteratur. Murasaki Shikibu vollendete um 1010 das Genji monogatari, das oft als ältester Roman der Welt bezeichnet wird.⁹ Ihre Zeitgenossin Sei Shōnagon hielt im Kopfkissenbuch Beobachtungen und Listen aus dem Hofleben fest. In China gilt Li Qingzhao (1084–um 1155) als bedeutendste Dichterin der Song-Zeit.
Bildung und Wissenschaft in der islamischen Welt
Im marokkanischen Fès stiftete Fatima al-Fihri im 9. Jahrhundert eine Moschee mit Lehrstätte. Aus ihr ging die Al-Qarawiyyin hervor, die 859 gegründet wurde und als älteste bestehende Hochschule der Welt gilt.¹⁰ Im 10. Jahrhundert baute Mariam al-Ijliya am Hof von Aleppo Astrolabien, also Instrumente zur Bestimmung von Sternpositionen und Uhrzeiten.
Kaiserinnen, Königinnen und Regentinnen in Europa
Viele Frauen im Mittelalter übten Macht als Regentinnen aus, meist für unmündige Söhne. Die byzantinische Prinzessin Theophanu heiratete 972 Kaiser Otto II. Nach dessen Tod führte sie bis 991 die Regentschaft für Otto III.¹¹ Danach übernahm seine Großmutter Adelheid von Burgund. Im Kiewer Reich regierte Olga im 10. Jahrhundert für ihren Sohn. Um 957 ließ sie sich in Konstantinopel taufen.
Eleonore von Aquitanien (um 1122–1204) war zuerst Königin von Frankreich, dann von England. Als Erbin des Herzogtums Aquitanien brachte sie ein Gebiet von der Loire bis zu den Pyrenäen in ihre Ehen ein. Später regierte sie für ihren Sohn Richard Löwenherz, während er auf Kreuzzug und in Gefangenschaft war. Britannica nennt sie „vielleicht die mächtigste Frau im Europa des 12. Jahrhunderts“.¹²
Auch in Italien und im Norden lenkten Frauen die Politik. Mathilde von Tuszien vermittelte 1077 auf ihrer Burg Canossa zwischen Papst und König. Margarete I. vereinte 1397 Dänemark, Norwegen und Schweden in der Kalmarer Union. In Polen wurde Hedwig von Anjou 1384 sogar als „König“ gekrönt. Der Titel betonte, dass sie aus eigenem Recht herrschte. Isabella I. von Kastilien begann ihre Herrschaft 1474 noch im Spätmittelalter, sie gehört aber vor allem ins 16. Jahrhundert.
Diffamiert, ertränkt, verklärt
Mächtige Frauen bekamen oft einen Ruf, der mehr über ihre Gegner verrät als über sie selbst. Margarete von Tirol ging als „Maultasch“ in die Geschichte ein, ein Spottname ihrer Feinde. Die römische Adlige Marozia kontrollierte im 10. Jahrhundert die Papstwahl. Spätere Historiker nannten diese Zeit abschätzig „Pornokratie“. Agnes Bernauer bezahlte ihre heimliche Ehe mit dem bayerischen Herzogssohn Albrecht III. mit dem Leben. Ihr Schwiegervater ließ sie 1435 in Straubing in der Donau ertränken.
Lady Godiva wiederum war eine reale Gräfin und Stifterin im England des 11. Jahrhunderts. Ihr nackter Ritt durch Coventry soll gegen hohe Steuern gerichtet gewesen sein. Er taucht jedoch erst rund 150 Jahre nach ihrem Tod in den Quellen auf. Ähnlich steht es um die Päpstin Johanna. Die Legende entstand im 13. Jahrhundert, eine historische Päpstin gab es nicht.
Herrscherinnen jenseits Europas
Der Begriff „Mittelalter“ stammt aus der europäischen Geschichte. Für andere Weltregionen nutzen wir ihn hier nur als Zeitfenster.
Ostasien und Mongolei
Wu Zetian (624–705) begann als Konkubine am chinesischen Kaiserhof. 655 wurde sie Kaiserin, und 690 erklärte sie sich selbst zur Herrscherin. Damit ist sie die einzige Frau, die China in eigenem Namen regierte. Sie förderte Beamte nach Prüfungen statt nach Herkunft.¹³ Ihr Ruf als grausame Tyrannin stammt zu großen Teilen von späteren Hofhistorikern.
In Korea regierte Seondeok von 632 bis 647 als erste Königin des Reiches Silla. In Japan bestieg Suiko 593 als erste regierende Kaiserin den Thron. Später lenkte Hōjō Masako als „Nonnen-Shogun“ das Kamakura-Shogunat. In der Mongolei führte Sorghaghtani Beki die Ländereien ihrer Familie und zog vier Söhne groß, darunter den späteren Großkhan Kublai. Eine Generation später kämpfte Khutulun an der Seite ihres Vaters, des Khans Kaidu. Sie soll jeden Bewerber im Ringkampf besiegt haben.
Indien, Naher Osten und Afrika
Razia Sultana bestieg 1236 als einzige Frau den Thron des Sultanats von Delhi. Nach vier Jahren stürzten sie die Adligen, die eine Frau an der Spitze nicht dulden wollten.¹⁴ Im Süden Indiens regierte Rudrama Devi im 13. Jahrhundert das Reich der Kakatiya. In Ägypten herrschte Schadschar ad-Durr 1250 als Sultanin.¹⁵ Zuvor organisierte sie die Abwehr des Kreuzzugs Ludwigs IX. und hielt den Tod ihres Mannes geheim, um das Heer zusammenzuhalten.
Arwa al-Sulayhi regierte den Jemen im 11. und 12. Jahrhundert über Jahrzehnte. In Kairo führte Sitt al-Mulk um 1021 die Geschäfte des Fatimidenreichs, und in Georgien ließ sich Tamar als „König“ titulieren. In Nordafrika leistete die Berberkönigin Kahina um 700 Widerstand gegen die arabische Eroberung. Äthiopische Überlieferungen erzählen außerdem von Königin Gudit, die im 10. Jahrhundert das Reich von Aksum gestürzt haben soll.
Mesoamerika
Auch die Maya kannten mächtige Herrscherinnen. Lady K’abel regierte von 672 bis 692 in der Stadt Waka‘, dem heutigen El Perú in Guatemala. Sie trug den Titel Kaloomte, „oberste Kriegerin“, und stand damit über ihrem Mann.¹⁶ Ihre Zeitgenossin Lady Six Sky kam 682 nach Naranjo, baute die Dynastie dort neu auf und führte Feldzüge gegen Nachbarstädte.
Kriegerinnen, Wikingerfrauen und Widerstand
Jeanne d’Arc (um 1412–1431) war eine Bauerntochter aus Domrémy. 1429 führte sie im Hundertjährigen Krieg das französische Heer zum Sieg bei Orléans. Wenige Monate später stand sie bei der Krönung Karls VII. in Reims. 1430 geriet sie in Gefangenschaft. Am 30. Mai 1431 verbrannte man sie in Rouen als Ketzerin. Zu den Anklagepunkten gehörte, dass sie Männerkleidung trug. 1456 hob ein neues Verfahren das Urteil auf, 1920 sprach die Kirche sie heilig.¹⁷
Schon im 10. Jahrhundert hatte Æthelflæd, die „Lady of the Mercians“, englische Truppen gegen die Wikinger geführt und Städte befestigen lassen. In Japan kämpfte Tomoe Gozen im Genpei-Krieg. Ihre letzte Schlacht schlug sie 1184 bei Awazu. Ob alle Heldentaten stimmen, die das Heike monogatari ihr zuschreibt, ist allerdings unsicher.¹⁸ Die Bretonin Jeanne de Clisson schließlich kaperte nach der Hinrichtung ihres Mannes um 1343 als „Löwin der Bretagne“ französische Schiffe.
Wikinger Frauen und der Mythos der Schildmaid
Wikinger Frauen führten Höfe, verwalteten Vorräte und hielten die Schlüssel des Hauses. In den Sagas tauchen zudem Schildmaiden auf, also Frauen, die mit der Waffe kämpften. Die bekannteste, Lagertha, ist jedoch eine Sagenfigur, die der Chronist Saxo Grammaticus um 1200 beschrieb. Lange galten solche Kriegerinnen deshalb als reine Fantasie.
Ein Fund aus Schweden änderte die Debatte. 2017 bestätigten DNA-Analysen, dass im reich ausgestatteten Kriegergrab Bj 581 von Birka eine Frau bestattet war.¹⁹ Ob sie selbst kämpfte, bleibt umstritten. Der Fund zeigt aber, wie stark die Annahme „Kriegergrab gleich Mann“ die Forschung geprägt hatte. Auch die Saga-Figur Freydís Eiríksdóttir, die an den Fahrten nach Vinland teilnahm, zeigt Frauen nicht nur am heimischen Herd.
Konkubinen, Mätressen und die Erzählung von der „gefährlichen Frau“
An vielen Höfen lebten Frauen als Konkubinen oder Mätressen. Ihre Macht hing vollständig von der Gunst eines Mannes ab. Die berühmteste Konkubine Chinas, Yang Guifei, war die Favoritin von Kaiser Xuanzong. Als 755 die Rebellion des An Lushan ausbrach, gaben die Soldaten ihr und ihrer Familie die Schuld. 756 wurde sie hingerichtet.²⁰ Die Geschichte von der Frau, die einen Kaiser von seinen Pflichten ablenkt, verdeckt dabei die politischen Fehler der Männer.
In Frankreich wurde Agnes Sorel um 1444 die erste offiziell anerkannte Mätresse eines Königs. Karl VII. schenkte ihr Schlösser und Ländereien. Sie starb 1450 mit etwa 28 Jahren, vermutlich an einer Quecksilbervergiftung. Daneben gab es in vielen spätmittelalterlichen Städten sogenannte Frauenhäuser, also städtisch kontrollierte Bordelle. Die Frauen dort waren rechtlich kaum geschützt und gesellschaftlich ausgegrenzt.
Bildquellen:
Keine
Textquellen:
- „Frauen im Mittelalter“. Planet Wissen (WDR)
- „The History of Cone-Shaped Medieval Princess Hats“ (Editor’s Note, 2022). Smithsonian Magazine
- „St. Hildegard“. Encyclopædia Britannica
- „What rule did St. Clare of Assisi establish for the Poor Clares?“. Encyclopædia Britannica
- „St. Elizabeth of Hungary“. Encyclopædia Britannica
- „Beguines“. Encyclopædia Britannica
- „Early modern witch trials“. Encyclopædia Britannica
- „This single working mom was Europe’s first professional woman writer“. National Geographic
- „Murasaki Shikibu“. Encyclopædia Britannica
- „Oldest higher-learning institution“. Guinness World Records
- „Theophano“. Encyclopædia Britannica
- „Eleanor of Aquitaine“. Encyclopædia Britannica
- „Wuhou“. Encyclopædia Britannica
- „Slave dynasty“. Encyclopædia Britannica
- „Shajar ad-Durr“. Encyclopædia Britannica
- „Tomb of Maya Queen Found – ‚Lady Snake Lord‘ Ruled Centipede Kingdom“. National Geographic
- „Joan of Arc“. Encyclopædia Britannica
- „These 3 samurai women were heroes of shogun era Japan“. National Geographic
- „A female Viking warrior confirmed by genomics“. Medievalists.net
- „Yang Guifei“. Encyclopædia Britannica

