Berühmte Frauen im 21. Jahrhundert

Das 21. Jahrhundert hat Frauen an Orte gebracht, die ihnen lange verschlossen waren: an die Spitze von Regierungen, Laboren, Orchestern und Konzernen. Diese Seite versammelt berühmte Frauen im 21. Jahrhundert aus allen Erdteilen – Forscherinnen, Staatschefinnen, Künstlerinnen und Aktivistinnen. Manche wurden erst nach 2000 geboren, andere brachten ihr Lebenswerk gerade in dieser Zeit zur Reife. Gemeinsam ist ihnen ein Wirken, das die Gegenwart mitgestaltet.

  • Lydia Ko

    Das Golf-Wunderkind, das mit 17 die Weltrangliste anführte und das nach der persönlichen Krise Gold holte

  • Gertrude Ederle beim Durchqueren des Ärmelkanals

    Gertrude Ederle

    Vierzehn Stunden gegen den Ärmelkanal – und alle Zweifler.

  • Dorothy Height

    Die Frau, die den March on Washington mitorganisierte und nicht reden durfte

  • Grau- und kurzhaarige Frau in den 50ern mit einem blaugrauen Pullover und einer Bluse, namens Stephanie Kwolek

    Stephanie Kwolek

    Chemikerin, die mit einer trüben Polymerlösung die Kevlar-Faser erfand

  • Astrid Lindgren schaut nachdenklich in die Luft und hält einen Kugelschreiber in der Hand, den sie zum Mund führt

    Astrid Lindgren

    Schwedische Kinderbuchautorin, Tierschützerin & Kinderrechtsaktivistin

  • Eine Frau mit großer Brille und kurzen grauen Haaren, die hinter diversen Globen in die Kamera schaut

    Vera Rubin

    bewies mit Galaxien-Rotationskurven die Existenz Dunkler Materie

  • Billie Jean King, seitlich mit verschränkten Armen und einem breiten Lächeln

    Billie Jean King

    Tennis-Legende, Aktivistin und Pionierin der Gleichberechtigung

  • Irena Sendler

    Eine Frau, ein Netzwerk, 2.500 gerettete Kinder

  • Katherine Johnson – Mathematikerin der Raumfahrt

    Katherine Johnson

    NASA-Mathematikerin & Pionierin der Raumfahrt

  • Porträt von Jane Goodall - renommierte Schimpansenforscherin

    Jane Goodall

    Schimpansenflüsterin & Umweltschützerin

  • Wangari Maathai mit ihrem Friedensnobelpreis in der Hand

    Wangari Maathai

    Umweltaktivistin & Friedensnobelpreisträgerin

Die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert

Rechtlich stehen Frauen in den meisten Ländern heute gleich. In der Praxis jedoch klafft die Lücke weiter. Der Gender Pay Gap hält sich hartnäckig, und in Vorständen wie Parlamenten bleiben Frauen die Minderheit. 2017 machte die #MeToo-Bewegung zudem sichtbar, wie verbreitet sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch sind.

Zugleich zeigt der Rückschritt beim Abtreibungsrecht in den USA, dass erkämpfte Freiheiten nicht gesichert sind. 2022 kippte der Oberste Gerichtshof das Grundsatzurteil Roe v. Wade. Auch anderswo bleibt das Selbstverständliche umkämpft. Im Iran trugen Frauen 2022 unter dem Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ das Risiko ihres Lebens. Diese Seite erzählt deshalb nicht von einem gelösten Problem, sondern von Frauen, die inmitten dieser Spannungen wirken.

Berühmte Frauen im 21. Jahrhundert in Politik und Macht

An der Spitze Deutschlands stand von 2005 bis 2021 mit Angela Merkel erstmals eine Frau. Sie war zugleich die erste Kanzlerin aus dem Osten des Landes.¹ In Brüssel übernahm Ursula von der Leyen 2019 als erste Frau die Führung der EU-Kommission. Die Europäische Zentralbank wiederum leitet seit 2019 Christine Lagarde, die zuvor schon dem Internationalen Währungsfonds vorstand.

2021 wurde Kamala Harris als erste Frau Vizepräsidentin der USA. Im selben Jahr übernahm Ngozi Okonjo-Iweala als erste Frau und erste Afrikanerin die Welthandelsorganisation.²

Auch außerhalb Europas verschob sich das Bild. Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern wurde 2018 nach Benazir Bhutto zur zweiten gewählten Regierungschefin, die im Amt ein Kind bekam.³ In Mexiko amtiert seit 2024 mit Claudia Sheinbaum die erste Präsidentin des Landes – eine Klimawissenschaftlerin, die am Weltklimarat mitarbeitete.⁴ In Taiwan führte Tsai Ing-wen von 2016 bis 2024 als erste Präsidentin die Regierung. Liberia wählte bereits 2005 mit Ellen Johnson Sirleaf das erste gewählte weibliche Staatsoberhaupt Afrikas.

Wissenschaft, Medizin und Technik

Medizin und Lebenswissenschaften

Die chinesische Pharmakologin Tu Youyou erhielt 2015 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung des Malaria-Wirkstoffs Artemisinin – als erste Chinesin in einer Wissenschaftskategorie.⁵ Fünf Jahre später ging der Chemie-Nobelpreis an Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna, die mit der Genschere CRISPR-Cas9 das Erbgut gezielt verändern.⁶ Es war das erste Mal, dass sich zwei Frauen einen naturwissenschaftlichen Nobelpreis teilten. 2023 folgte Katalin Karikó für ihre Vorarbeit zu den mRNA-Impfstoffen, die in der Corona-Pandemie Millionen Leben schützten.⁷ Bezeichnend bleibt die Bilanz dahinter. Karikó war erst die 61. Frau überhaupt, die einen Nobelpreis erhielt.

Physik, Mathematik und Künstliche Intelligenz

In der Physik teilte sich Donna Strickland 2018 den Nobelpreis – als dritte Frau seit 1901. Zwei Jahre darauf ehrte das Komitee außerdem Andrea Ghez für ihre Forschung zum Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße. In der Mathematik erhielt die Iranerin Maryam Mirzakhani 2014 als erste Frau die Fields-Medaille, die höchste Auszeichnung des Fachs.⁸ 2022 folgte ihr die Ukrainerin Maryna Viazovska als zweite Preisträgerin. Die Informatikerin Fei-Fei Li wiederum legte mit dem Bilddatensatz ImageNet eine Grundlage der modernen KI-Forschung. In der Ökonomie zeichnete das Nobelkomitee 2019 zudem Esther Duflo aus, die bis dahin jüngste Preisträgerin. 2023 folgte Claudia Goldin für ihre Arbeiten zur Rolle der Frauen am Arbeitsmarkt. Dass eine Jane Goodall oder eine Sylvia Earle über Jahrzehnte für Arten- und Meeresschutz forschen und mahnen, zeigt überdies die Reichweite solcher Lebenswerke.

Bildende Kunst und Architektur

Kaum eine Gegenwartskünstlerin zieht solche Menschenmassen an wie die Japanerin Yayoi Kusama, deren Punktmuster und Spiegelräume weltweit Rekorde brechen. 2010 saß Marina Abramović im New Yorker MoMA über 700 Stunden reglos den Besuchern gegenüber. Ihre Performance The Artist Is Present wurde zum Sinnbild einer ganzen Kunstform. Cindy Sherman wiederum inszeniert sich seit Jahrzehnten in wechselnden Rollen und hinterfragt damit weibliche Bilder. Die US-Amerikanerin Kara Walker konfrontiert ihr Publikum mit der Geschichte von Sklaverei und Rassismus.

In der Architektur erhielt Zaha Hadid 2004 als erste Frau den Pritzker-Preis, die höchste Auszeichnung des Fachs.⁹ Trotz solcher Namen bleiben Frauen in Museumssammlungen und auf dem Kunstmarkt bis heute deutlich unterrepräsentiert.

Literatur, Lyrik und Bühne

Nobelpreisträgerinnen der Literatur

Die Literatur-Nobelpreise der vergangenen Jahre gingen auffällig oft an Frauen. 2024 erhielt die Südkoreanerin Han Kang die Auszeichnung als erste Autorin ihres Landes, für eine Prosa, die historische Traumata umkreist.¹⁰ Zuvor gingen die Auszeichnungen zudem an die Französin Annie Ernaux (2022), die US-Lyrikerin Louise Glück (2020) und die Polin Olga Tokarczuk (2018). 2009 ging der Preis zudem an die deutsch-rumänische Autorin Herta Müller, die das Leben unter der Diktatur Ceaușescus beschreibt.

Romane, Bühne und Lyrik der Gegenwart

Im englischsprachigen Roman gehört die Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie zu den meistgelesenen Stimmen. Ihr Essay We Should All Be Feminists wurde millionenfach zitiert. 2019 gewann Bernardine Evaristo mit Girl, Woman, Other als erste Schwarze Frau den Booker Prize.¹¹ Sie teilte ihn sich mit Margaret Atwood, deren Dystopie The Handmaid’s Tale im 21. Jahrhundert neue Aktualität gewann. Britische Erzählkunst prägen daneben Zadie Smith und die jüngere Sally Rooney. Aus Deutschland wiederum gewann Jenny Erpenbeck 2024 mit Kairos den International Booker Prize.¹² In den USA trug Amanda Gorman 2021 als jüngste Dichterin der Geschichte ein Gedicht zur Amtseinführung des Präsidenten vor. Die Comic-Autorin Alison Bechdel gab der Debatte über Frauenrollen im Film mit dem „Bechdel-Test“ schließlich ein einfaches Werkzeug.

Musik: Komponistinnen und Dirigentinnen

Komposition galt lange als Männerdomäne. Die Finnin Kaija Saariaho widerlegte das. 2019 wählte eine Umfrage des BBC Music Magazine sie zur „größten lebenden Komponistin“, ihre Oper L’Amour de loin lief an Häusern weltweit.¹³ Die Südkoreanerin Unsuk Chin erhielt 2004 den Grawemeyer Award für ihr Violinkonzert.¹⁴ 2013 wurde die US-Amerikanerin Caroline Shaw mit rund 30 Jahren zudem zur bis dahin jüngsten Gewinnerin des Musik-Pulitzer-Preises.

Dirigentinnen

Am Dirigierpult fielen die Schranken spät. Marin Alsop übernahm 2007 als erste Frau ein großes US-Orchester und leitete 2013 als erste Dirigentin die „Last Night of the Proms“.¹⁵ 2021 stand Oksana Lyniv als erste Frau am Pult der Bayreuther Festspiele – nach 145 Jahren.¹⁶ Im deutschsprachigen Raum übernahm Joana Mallwitz 2023 als erste Chefdirigentin das Konzerthausorchester Berlin. Die Litauerin Mirga Gražinytė-Tyla führte überdies das City of Birmingham Symphony Orchestra.

Sport

Im Tennis dominierte Serena Williams eine ganze Ära. Ihre 23 Grand-Slam-Titel im Einzel bedeuten den Rekord der Profi-Ära.¹⁷ In der Turnhalle sammelte Simone Biles mehr WM- und Olympiamedaillen als jede Turnerin vor ihr; vier Elemente tragen offiziell ihren Namen. Naomi Osaka wurde zur bestbezahlten Sportlerin der Welt und sprach zugleich offen über mentale Gesundheit. Eine jüngere Generation um Iga Swiatek und Aryna Sabalenka führt die Weltrangliste heute fort. Dass Sportlerinnen inzwischen für gleiche Preisgelder streiten können, verdanken sie Wegbereiterinnen wie Billie Jean King.

Stimmen des Widerstands: Aktivismus und Menschenrechte

Manche der bekanntesten Frauen unserer Zeit wurden es durch Widerstand. Malala Yousafzai überlebte 2012 ein Attentat der Taliban und erhielt 2014 mit 17 Jahren als jüngste Person überhaupt den Friedensnobelpreis.¹⁸ Auch andere Preisträgerinnen kämpften gegen Gewalt und Zensur: die Jesidin Nadia Murad (2018), die philippinische Journalistin Maria Ressa (2021) und die inhaftierte Iranerin Narges Mohammadi (2023).¹⁹

Beim Klima meldete sich zudem eine sehr junge Generation zu Wort. Greta Thunberg löste 2018 mit ihrem Schulstreik eine weltweite Bewegung aus und wurde 2019 zur „Person des Jahres“ des Time-Magazins. In Uganda gründete Vanessa Nakate daraufhin eine eigene Klimabewegung und wies auf die übersehene Rolle Afrikas hin. In Deutschland wurde Luisa Neubauer zum Gesicht von Fridays for Future. Ältere Vorbilder wirken zugleich fort. Die Kenianerin Wangari Maathai erhielt 2004 als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis, und die Klimadiplomatin Jennifer Morgan verhandelt heute für Deutschland.

Berühmte deutsche Frauen im 21. Jahrhundert

Auch im deutschsprachigen Raum reicht die Liste weit über Angela Merkel hinaus. In der Politik wurde Annalena Baerbock 2021 die erste Außenministerin Deutschlands. Die Literatur trägt daneben Namen wie Jenny Erpenbeck sowie die Juristin und Autorin Juli Zeh. Für die Lyrik steht zudem Nora Gomringer, die 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt. Im Sport holte die Weitspringerin Malaika Mihambo olympisches Gold und WM-Titel, während Angelique Kerber als erste Deutsche seit Steffi Graf die Tennis-Weltrangliste anführte. Und am Pult prägt Joana Mallwitz inzwischen das Berliner Konzertleben.

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